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Slowenien entgegen
Nachlese zur Veranstaltung "Slowenien entgegen"
Eine gemeinsame Veranstaltung der Grünen Bildungswerkstatt OÖ mit der Grünen
Bildungswerkstatt Tirol und der Grünen Bildungswerkstatt Kärnten.
Termin: Freitag, 31. Juli bis Sonntag, 2. August 2009
Ort: Kärnten, Slowenien
Ausgangspunkt der Bildungswanderung war Kärnten. Beginnend vom Loiblpass machten wir uns auf den Weg nach Radovljica, Slowenien. Auffallend war dabei die landschaftliche Schönheit und Einprägsamkeit dieses Gebietes. Neben den Landschaften bieten auch die am Weg liegenden charakteristischen Ortschaften Gelegenheit zum Einblick in das alltägliche Leben. Ein Teil der Geschichte dieses Gebietes steht allerdings im krassen Gegensatz zur Schönheit der Region, denn während der NS-Zeit befand sich in Loibl ein Nebenlager des KZ Mauthausen.
Das KZ am Loiblpass: einsamer Kampf gegen das kollektive Vergessen
Klagenfurter Universitätsprofessor wegen angeblicher „Verhetzung“ angezeigt
Loibl (APA) – Österreich tut sich mit seiner Nazi-Vergangenheit immer noch schwer. Ein Beispiel dafür ist die mühsame Aufarbeitung der Geschichte des „vergessenen“ Konzentrationslagers am Loiblpass. Der Unterschied könnte kaum frappierender sein: Während auf slowenischer Seite zahlreiche Gedenktafeln, Denkmäler und die Erhaltung der Wiese, auf der das „KZ Süd“ einmal stand, die Erinnerung an die damaligen Verbrechen und an das viele Leid seit 60 Jahren lebendig halten, wurde auf österreichischer Seite erstmals 1995 und in diesem Juni im einstigen „KZ Nord“ eine internationale Gedenkfeier abgehalten. Dass dieses KZ, eine Aussenstelle von Mauthausen, überhaupt wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde, ist vor allem den beharrlichen Nachforschungen von Universitätsprofessor Peter Gstettner aus Klagenfurt zu verdanken.
Gstettner gründete die Initiative „Mauthausen Komitee Kärnten/Koroska“ und erreichte, dass nun eine offizielle Gedenkstätte für die Opfer eingerichtet wird. Trotz zahlreicher bürokratischer und sonstiger Barrieren (beispielsweise des Widerstands ortsansässiger Bauern) erwirkte Gstettner auch die Freilegung von Betonfundamenten der ehemaligen Barracken, die bereits vom Wald überwuchert waren. Auf sein Betreiben wurde das Areal des KZ Nord 2004 unter Denkmalschutz gestellt und das abgeschiedene Gelände vom österreichischen Staat gepachtet. Heute ist dieses ein Ausflugsziel für Schülerklassen. Damit konnte das vom Innenministerium unterstützte Komitee einen wichtigen Erfolg im Kampf gegen den kollektiven Gedächtnisschwund erzielen.
In Kärnten erinnerten sich Zeitzeugen zwar allenfalls an das „slowenische KZ“ auf der Südseite der Karawanken, aber nicht ans österreichische Pendant ein paar hundert Meter weiter nördlich, wie Gstettner anlässlich eines Augenscheins vor Ort berichtet. Ein doppelter Fehler, wie der Universitätsprofessor anmerkt, denn es war ein deutsches Gefangenenlager und Slowenien gab es damals noch gar nicht. Der letzten Herbst verstorbene rechtspopulistische Landeshauptmann Jörg Haider sei nie gekommen, erzählt Gstettner, und seinen Nachfolger Dörfler habe er nicht zur internationalen Gedenkfeier im vergangenen Juni einladen wollen, weil überlebende Ex-Häftlinge für diesen Fall mit der Absage ihrer Teilnahme gedroht hätten. Akten über das „KZ Nord“ konnte Gstettner bisher nicht ausfindig machen.
Für den engagierten Professor hatte die Gedenkfeier übrigens noch ein strafrechtliches Nachspiel. Er hatte in Gegenwart von Bundespräsident Heinz Fischer und seines slowenischen Amtskollegen darauf hingewiesen, dass Österreich bei der Aufarbeitung der KZ-Geschichte einen 60jährigen Nachholbedarf habe. Solange dies nicht geschehe, dürfe Österreich sich „nicht zu den zivilisierten Völkern der Welt zählen“. Der in der Kronenzeitung kolportierte Ausspruch brachte Gstettner prompt eine anonyme Strafanzeige wegen „Verhetzung“ und „Herabwürdigung der Republik Österreich“ ein. Gstettner vermutet einen Kärntner SPÖ-Politiker hinter der Anzeige.
Zwar war das KZ kein Vernichtungs-, sondern ein Arbeitslager. Aber etliche Häftlinge wurden, nachdem sie arbeitsunfähig geworden waren, in Todeslager geschickt, manche nach Mauthausen, andere nach Auschwitz. Von den mehreren tausend Zwangsarbeitern, die durch das Lager geschleust wurden, kamen deshalb „nur“ 33 am Loiblpass um. Die Leichen wurden in einem „Krematorium“ unter freiem Himmel, in einer kleinen Grube mit einem Eisenrost darüber, in einem ausgetrockneten Bachbett, einen Steinwurf vom KZ Süd entfernt, verbrannt. Eingerichtet wurden die beiden Lager am Loibl-Pass im Sommer 1943. Die Zwangsarbeiter sollten nach den Plänen des österreichischen Gauleiters Friedrich Rainer unter dem Loiblpass einen Strassentunnel als zentrale Nord-Südverbindung bauen. Die deutsche Wehrmacht hatte Jugoslawien 1941 besetzt und brauchte sichere Nachschubwege. Für den Kärntner Rainer war der Loibl-Tunnel ein „Herzensanliegen“, das er sich von Adolf Hitler persönlich genehmigen liess, wie Gstettner gegenüber Besuchern der Gedenkstätte erläuterte.
Die ersten 330 Häftlinge aus Mauthausen trafen am 3.Juni 1943 ein. Es waren in der Mehrzahl französische Résistance-Kämpfer, die im Gegensatz zu den bereits durch ihre KZ-Aufenthalte geschwächten Juden noch in guter physischer Verfassung waren. Der Gauleiter verpflichtete aber auch Zivilarbeiter aus der slowenischen Bevölkerung für die Bauarbeiten. Bauarbeitern und Häftlingen war jeder Kontakt in den Stollen streng verboten. Immer gelang dies der SS-Wachmannschaft allerdings nicht. Zivile Bauarbeiter verhalfen einigen Häftlingen sogar zur Flucht. 26 von 29 KZlern gelang der Ausbruch. Möglich war dies auch wegen dem „positiven Umfeld“, wie Gstettner darlegte. Die slowenische Bevölkerung, die selber unter der deutschen Besatzung litt, nahm die Flüchtlinge freundlich auf, auch die in den umliegenden, schwer zugänglichen Bergen kämpfenden Partisanen halfen ihnen. Einige der Ex-Häftlinge schlossen sich diesen an.
Besonders gefürchtet war der Kärntner KZ-Arzt Sigbert Ramsauer. Bereits im Herbst 1943 gab es Gerüchte, dass transportunfähige Häftlinge von Ramsauer mit Benzinspritzen ins Herz getötet wurden, wie der KZ-Insasse Rene Bernard später berichtete. Dr. Ramsauer arbeitete übrigens nach seiner Verurteilung durch ein britisches Militärgericht zu lebenslänglicher Haft im Jahr 1947 und der vorzeitigen Entlassung 1954 noch bis in die sechziger Jahre als erfolgreicher Arzt in Kärnten.
Am 4. Dezember 1944 war der Tunnel fertiggestellt. Aber seinem ursprünglichen Ziel, die deutsche Herrschaft am Balkan durch verbesserte Nachschubwege für das Militär zu festigen, sollte er nicht mehr dienen. Vielmehr wurde der Tunnel in den letzten chaotischen Kriegstagen im Mai 1945 zum Nadelöhr, durch das sich die halbe deutsche Wehrmacht auf dem Rückzug vom Balkan, SS-Divisionen, slowenische und kroatische Kollaborateure , Gefangene und zahlreiche Flüchtlinge drängten. Es kam dabei zu einem heillosen Durcheinander, die deutsche Wehrmacht schoss sich ihren Weg frei. Den deutschen Truppen auf dem Fuss folgten die Partisanen teilweise bis nach Klagenfurt. Die Ordnung stellten erst die Briten wieder her, die vom Süden herauf in Kärnten einmarschierten. Den dramatischen Ereignissen, die sich während des Zweiten Weltkrieges inmitten der spektakulären Karawanken-Felslandschaft ereigneten, gehen auch die beiden Universitätsprofessoren Wilhelm Berger und Gerhard Pilgram in ihrem Buch „Slowenien entgegen – zu Fuss von Klagenfurt nach Ljubljana“ nach.

