Erst war es für Energieprojekte im Gespräch, dann wurde es doch ein Europäisches Naturschutzgebiet. Den steinigen Weg dorthin zeichnet Franz Kaiser auf.
Seit kurzem ist es fix: das Rannatal wurde als NATURA 2000-Gebiet nachnominiert. In den letzten 14 Jahren bestand permanent die Gefahr, dass das Seitental der Donau für ein Energieprojekt der Energie AG geopfert werden soll. Die Nominierung schafft nun endgültig Klarheit und Sicherheit.
Ich kannte das Rannatal eigentlich nur von Wandertagen als Klassenvorstand und von Famlienwanderungen mit unseren Kindern. Auf die Besonderheiten und den ökologischen Wert wurde ich erst durch die Diskussion um den Erhalt aufmerksam.
Im November 1992 präsentierte die damalige OKA das Vorprojekt. Dabei versuchte der Energiekonzern die touristische Nutzung in den Vordergrund zu stellen.
Im März 1993 berichtete der Bürgermeister der Gemeinde Hofkirchen im Mühlkreis, dass ein regionales Entwicklungskonzept zur touristischen Nutzung des Stausees angeregt wurde. Beauftragt sollte ein Grazer Architekturbüro werden. Der hohe Kostenanteil für die Gemeinden (auf Hofkirchen/Mkr. wären ca. 650.000 S. entfallen) ließ das Glänzen in den Augen der Bürgermeister rasch verschwinden.
Am 7.7. 1998 teilte die OKA in einem Schreiben den betroffenen Gemeinden mit, dass die Anträge auf Errichtung eines Speicherkraftwerkes Ranna-Falkenstein zurückgezogen wurden und vorerst keine weitere Realisierungsschritte für das Projekt unternommen werden. Ein wichtiger Erfolg der NGOs und der Grünen.
Die Erforschung der Rannaschlucht begann erst in den 70er-Jahren. Heinz Forstinger (1974) und Franz Grims (1977) widmeten sich der Pilz-, Moos- und Blütenpflanzenflora. Anfang der 90er-Jahre begann insbesondere Franz Berger (Gemeindearzt in Kopfing) mit der Erforschung der Flechtenflora. Er konnte nachweisen, dass das Tal der Ranna einen aus europaweiter Sicht herausragenden Standort für Flechten darstellt. Mit den Planungen zum Kraftwerk wurde die Wissenschaft verstärkt auf das Rannatal aufmerksam gemacht und die Forschungen vertieft. Im Mai 1996 schrieb Professor Franz Grims in einem Artikel des Magazins des Naturschutzbundes über die Rannatalschlucht: "Selbst bislang vom Menschen weitgehend unberührte Landschaften geraten in Gefahr, wirtschaftlichen Interessen geopfert zu werden. Dieses Schicksal trifft auch das Rannatal mit seinen steil abfallenden Hangwäldern von oftmals beinahe urwaldartigem Charakter.
Schließlich wurde das Rannatal mit einer Verordnung im Frühjahr 2002 zum Naturschutzgebiet erklärt, allerdings zeitlich beschränkt (einzigartig in Österreich!). Vor allem der oberösterreichische Naturschutzbund, aber auch andere NGOs forderten immer wieder eine Nachnominierung des Rannatals als NATURA 2000-Gebiet. Das Regierungsübereinkommen der Grünen OÖ mit der VP stellte schließlich die Weichen. Dort heißt es unter dem Punkt Naturschutz: Das Rannatal wird in die Liste der Natura-2000-Projekte aufgenommen.
Das Rannatal am Rande des oberen Donautales ist eines der letzten unberührten Flusstäler Oberösterreichs. Kein Wunder, ist das Naturjuwel doch ein wichtiges Refugium für eine große Zahl seltener und gefährdeter Arten, wie etwa der Smaragdeidechse, die hier ihr letztes Rückzugsgebiet in OÖ außerhalb des Donautales findet!
Die naturnahen Wälder und Felsstandorte des Rannatales beherbergen außerdem eine einzigartige Fülle auch weniger bekannter Tier- und Pflanzenarten - etwa Flechten, von denen zwei seltene Arten europaweit einzigartig nur im Rannatal wachsen. Beim Rannatal handelt es sich nachweislich um eines der wertvollsten Seitentäler an der oberen Donau.