Freiwillige Knochenarbeit

Die Naturschutzjugend Waldzell müht sich ab, damit die Vielfalt der Natur halbwegs erhalten bleibt.

Von Anna Miglbauer

Alte Entwässerungsgräben zuschütten, Fichten herausschneiden, die sich breit und dem einzigartigen Restbestand von Spirken beinahe schon den Garaus gemacht haben, wie die Biber Dämme bauen, damit das Wasser nicht allzu schnell der Redl zufließen kann: Seit Jahren rückt die Gruppe Waldzell der Österreichischen Naturschutzjugend (ÖNJ) im Herbst und Winter zur schweißtreibenden Arbeit ins Kreuzerbauernmoor aus.

Die jungen Leute aus der Innviertler Gemeinde rackern hier freiwillig für ein Remoorisierungsprojekt. Das Moor ist ihr Hauptanliegen, sie greifen aber auch zur Sense, um mühsam Streuwiesen zu mähen und die empfindliche und seltene Flora nicht mit Traktor und Mähbalken zu zerstören. All das ist Knochenarbeit. Aber wer als Junger dort einmal mitgeholfen hat und sieht, wie sich im einst fast entwässerten Moor wieder Tümpel bilden oder auf den Streuwiesen wieder Orchideen und Lungenenzian und Fieberklee sprießen, die es in der eintönigen Agrarwüste rundherum nicht mehr gibt, versteht wohl auch als Erwachsener: Es lohnt sich, die Vielfalt der Natur zu erhalten, wo es noch möglich ist. Und wird dann eine Spinne vielleicht nicht mehr so achtlos zertreten oder das Abschmelzen der Gletscher ungerührt hinnehmen.

„Das ist der Grundgedanke, der hinter der Naturschutzjugend steckt. Wir möchten die jungen Leute für die Natur sensibilisieren, Verständnis und Gespür wecken, indem man ihnen anbietet, in der Natur und mit ihr und für sie aktiv etwas zu tun", sagt Fritz Burgstaller, der die Gruppe Waldzell vor vierzehn Jahren gegründet hat und seither sehr erfolgreich betreut. So hat die Gruppe für ihr Fledermaus- und Neuntöter-Projekt bereits den Umweltschutzpreis des Landes eingestreift. Neuntöter sind schon recht seltene Vögel. Um ihnen das Brüten zu erleichtern, wurden in und um Waldzell einladende Hecken gestaltet. Die jungen Mitglieder basteln auch „Insektenhotels" als Brutplätze für Insekten, die potenziell vom Aussterben bedroht sind und bei den Menschen auf weniger Sympathie treffen als etwa die putzigen Meisen. Denn für echte Naturfreunde ist nicht nur das schützenswert, was schön ist und lieb.

Für größere Projekte braucht die Gruppe Waldzell, deren rund 100 Mitglieder zwischen sechs und 25 Jahre alt sind, freilich Geld. Dann gilt es, die Naturschutzabteilung des Landes zu überzeugen. Das Kreuzerbauernmoor hat die ÖNJ Oberösterreich kurzerhand auf- und damit freigekauft.

Weitere Informationen unter http://www.oenj.at/waldzell.htm

oö.planet Nr. 33/04