UMTS – bedenklich ohne Nutzen ?

Die Mobilfunkbetreiber beteuern die Unbedenklichkeit von UMTS. Wie sicher ist aber die neue Mobilfunkttechnologie?

Von Rolf Moser

Für UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) werden von 6 Betreibern Hunderte Millionen Euro investiert für Lizenzen und Technik. Allerdings wurde trotz angestrengtester Suche immer noch keine „Killer-Applikation" für UMTS gefunden, der Nutzen für den Kunden ist sehr fragwürdig.

UMTS wird mit Frequenzen im Bereich von 1920 bis 2170 MHz betrieben, also mit höheren Frequenzen als der GSM-Standard, der mit 900 bzw. 1800 MHz funktioniert. Aus technischen Gründen muss UMTS mit möglichst geringer Sendeleistung auskommen, dadurch wird ein dichteres Netz von Basis-Stationen gebraucht.

Entsprechend zahlreich sind die Klagen über neue Mobilfunk-Masten, wie etwa vor einigen Wochen in der Linzer Altstadt.

Auch die Handies werden tatsächlich mit weniger Leistung betrieben als die GSM-Handies, nämlich nur mit ca. 125 mW statt 1 bis 2 W bisher.

Eine Variante von UMTS, CDMA (Code Division Multiple Access), beider alle Teilnehmer auf derselben Frequenz telefonieren (die Signale werden durch verschiedene Codes voneinander getrennt) erzeugt einen relativ gleichmäßigen Fluss von Daten, ist also nicht gepulst und wird derzeit fast ausschließlich verwendet.

Wegen der geringen Sendeleistung und dem praktisch nicht gepulsten Signal ist UMTS daher aus Sicht der Betreiber noch viel wenigergefährlich für den Menschen als GSM.

Die in den Niederlanden im Jahr 2003 von dem halbstaatlichenUnternehmen TNO durchgeführte Studie fand aber genau das Gegenteilheraus.

Zwei Gruppen von Versuchspersonen wurden untersucht, die erste Leute, die sich selbst als „elektrosensibel" bezeichneten, die zweite Gruppe „Unempfindliche". Beide wurden GSM- und UMTS-Strahlung ausgesetzt und zwar mit maximalen Feldstärken von 1 V/m, das entsprich 2,5 mW/m2, also dem Zweieinhalbfachen des alten Salzburger Vorsorgewerts, Leistungsdichten, wie sie in der Umgebung von Mobilfunkmasten heutzutage normalerweise auftreten.

Die Wirkungen waren bei beiden Gruppen identisch und bestanden in beeinträchtigtem Wohlbefinden, Kopfschmerzen, Übelkeit, Herz-Rhythmus-Problemen und Tinnitus. Bei UMTS war das Ergebnis mit 95% statistisch hochsignifikant, auch bei GSM gabes Wirkungen, allerdings mit geringerer Signifikanz. Bei klassischenmedizinischen Studien über die Wirksamkeit von Medikamenten wird als Wirksamkeitsschwelle 70% gefordert, UMTS ist also hochwirksam. Die Studie wurde doppelblind durchgeführt, d.h. weder die Versuchspersonen noch die Experimentatoren wussten, ob eine Person wirklich bestrahlt wurde oder nicht. Es ist schwer möglich, die Ergebnisse dieser außerordentlich gründlich und sauber durchgeführten Studie wissenschaftlich in Frage zu stellen.

Trotzdem bezeichnet das FMK (Forum fürMobilkommunikation) die Resultate als „ungeprüfte Forschungsergebnisse", durch die „in der öffentlichen Diskussion unbegründete Sorgen" entstehen.

Eine Wiederholungsstudie, deren Ergebnisse Ende 2005 vorliegen sollen, ist in der Schweiz geplant. Der Präsident des Schweizer Amtes für Umweltschutz schreibt in einem Brief an die Schweizer Regierung dazu, dass er die Investitionen in UMTS für verfehlt hält, sollte die Schweizer Studie das selbe Ergebnis wie in den Niederlanden erbringen.

Wie viele andere Studien vorher schon zeigt die TNO-Studie jedenfalls, dass die von den Behörden empfohlenen Grenzwerte, die alle auf dem Konzept der energetischen (thermischen) Wirkung beruhen, auf völlig falschen Voraussetzungen aufbauen und daher uns alle nicht schützen.

Wahrscheinlich wirkt UMTS deshalb so stark,weil seine Frequenzen näher an dem Bereich um 2400 MHz herum liegen,dem Maximum der Absorption von Mikrowellen in Wasser, der Frequenz, mitder Mikrowellenherde betrieben werden.

Die Aussage des Forum Mobilkommunikation: „UMTS ist sicher" ist mindestens unseriös, wenn nicht bewusst irreführend. Sicher ist eigentlich nur, dass mit UMTS eine Technik flächendeckend eingeführt wird, die niemand braucht.

oö.planet Nr. 35/04