Der Verharmlosungsrat

Ein neugeschaffener Beirat soll die gesundheitlichen Auswirkungen der Mobilfunktechnik objektiv untersuchen. Und das mit freundlicher Unterstützung der Handybetreiber.

Würden Sie Ihre Kücheneinrichtung von einer Baufirma herstellen lassen? Oder würden Sie sich von einem praktischen Arzt eine neue Niere einsetzen lassen, die von einer Dialyse-Station mitfinanziert wird? Sicher nicht!

Verkehrsminister Gorbach allerdings rief zur Bewertung möglicher gesundheitlicher Risiken des Mobilfunks Anfang des Jahres 2004 den Wissenschaftlichen Beirat Funk (WBF) ins Leben, bei dem keines der Mitglieder auf dem Gebiet der Wirkungen des Mobilfunks auf die Gesundheit gearbeitet hat.

Vorsitzender ist Prof. Dr. Norbert Vana, TU Wien, Atominstitut der österreichischen Universitäten (Fachgebiet Dosimetrie und technischer Strahlenschutz), es gibt sieben weitere Mitglieder, Professoren aus den Gebieten Arbeitsmedizin, Arbeitswissenschaft, Neurologie, Onkologie und ein Vertreter von Seibersdorf.

Und tatsächlich war dann im Herbst letzten Jahres in vielen Zeitungen zu lesen: „WBF gibt Entwarnung, Handy-Telefonieren ist unbedenklich, Handy-Masten sind überhaupt kein Thema mehr."

Angeblich waren Tausende von Studien gesichtet, einige wenige „gute" ausgewählt, dann die offizielle Bewertung festgelegt worden.

Woher kommt das Geld für den WBF ? Angeblich arbeiten die Mitglieder selbst ehrenamtlich, das Organisatorische erledigt das Forschungszentrum Seibersdorf. Laut einer Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage von Gabi Moser durch Minister Gorbach „beteiligen sich die Mobilfunkbetreiber an den Unkosten des WBF". Gorbach sieht das als Beitrag der Betreiber an einem Forschungsprogramm, was ja von Grüner Seite wiederholt gefordert worden sei. Es ist schon eine besondere Art von Frechheit, die Tätigkeit des WBF als Forschung zu bezeichnen.

Der Minister nennt außerdem in der Anfragebeantwortung Prof. Oswald Jahn und Doz. Michael Kundi als Mitglieder des WBF, um eine Kompetenz des Beirats auf dem Gebiet der Umweltmedizin vorzutäuschen. Beide sind definitiv nicht Mitglied und werden auch in der Zeitschrift des Forum Mobilkommunikation (FMK Newsletter 4/2004) nicht als Mitglied aufgeführt.

Weder die holländische TNO-Studie zu den Auswirkungen von UMTS noch die großangelegte Reflex-Studie, die eindeutig DNS-Schäden durch Mobilfunk-Strahlung nachwies, sind unter den ausgewerteten Studien. Die Begründung des Ministers: Die TNO-Studie müsse zuerst wiederholt werden (was derzeit z.B. in der Schweiz passiert), bei der Reflex-Studie habe es noch keinen Abschlußbericht gegeben (obwohl die Ergebnisse schon jahrelang bekannt sind) und sie sei noch nicht „approbiert".

Die Frage ist, wieso eine Studie, die von 12 Forschergruppen in 7 europäischen Ländern durchgeführt wurde, noch von irgend jemandem approbiert werden muß. Der Name „Beirat zur Verharmlosung der Gefahr durch Mobilfunk" wäre für den WBF sehr viel angemessener.