Waldviertler statt Euro

Im Norden Niederösterreichs wurde eine eigene Währung eingeführt um den Kaufkraftabfluß in die Zentren einzudämmen.

„Das macht dann drei Waldviertler bitte“. So oder ähnlich klingt es in fast 200 Geschäften in der Region Schrems, wenn man etwa Schuhe, Eier oder Milch einkaufen will. Eine eigene „Währung“ ist seit Anfang Mai im Umlauf. Klar, mit Euro kann man natürlich auch zahlen, man muss es aber nicht.

Ein eigenes Zahlungsmittel macht also die Runde. Eigentlich ist es eine Art Tauschsystem mit Gutscheinen. Die Idee: Der „Waldviertler“ als regionales Zahlungsmittel, das in der Region bleibt, soll zirkulieren. Der Greißler geht zur Bäuerin und kauft dort Eier, Milch, Fleisch. Die Bäuerin geht zum Schneider und kauft um „Waldviertler“ eine Hose. Der Schneider geht zum Greißler und kauft mit „Waldviertler“ seine Lebensmittel ...

Eine verschrobene Idee weltfremder Utopisten? Keineswegs. Das Konzept hat Hand und Fuß. „Wenn Waldviertler von Waldviertlern kaufen, haben Waldviertler Arbeit“. So fasst Heini Staudinger sein visionäres Projekt rund um die Einführung einer eigenen regionalen „Währung“ pointiert zusammen.

Sinn der ganzen Sache: Das Geld soll nicht zu Hause oder auf der Bank gehortet werden oder als Spekulationsgegenstand herhalten. Nein, der Wert des Geldes soll zirkulieren und zwar in der Region, in der die Menschen leben, arbeiten, produzieren. Und es soll nicht in die globale Welt als bloßes Buchgeld abfließen, sondern in der Region bleiben. Damit die Leute hier Arbeit haben, hier bleiben können und nicht in die Ballungsräume - dem Geldfluss quasi hinterher - abwandern müssen. „Wenn wir Waldviertler uns unsere Güter und Dienstleistungen gegenseitig abkaufen, dann funktioniert das Projekt“, sagt Staudinger.

„Es ist überall auf der Welt dasselbe. Das Geld aus Krisenregionen fließt ab in die Boomregionen“, sagt der Unternehmer. Dass das aber nicht so sein muss und es überall auf dem Globus Gegenbewegungen gab und gibt, davon ist der 52jährige überzeugt. „Weltweit hat es in den letzten zehn Jahren rund 2700 solcher alternativen Währungen gegeben“.

Den Start des „Waldviertler“ beurteilt Staudinger positiv. Fast 200 UnternehmerInnen beteiligen sich bereits und es werden laufend mehr. Auch die Akzeptanz sei nicht schlecht, natürlich aber nicht bei allen Leuten. „Die einen erkennen das als notwendige Chance, die anderen sehen uns als Spinner“, so seine Einschätzung.

Klarerweise kann der „Waldviertler“ im Rennen um den Tiefstpreis nicht mithalten. Er soll es auch gar nicht. „Geiz ist nimmer geil. Wenn meine Hose in der regionalen Schneiderei mehr kostet, ist das kein Nachteil. Der Schneider bekommt einen anständigen Preis und kann das Geld dann wieder in der Region ausgeben. Von dieser neuen Großzügigkeit profitieren dann alle“, sagt Staudinger. „Die Menschen sind dann nicht mehr gezwungen, bei Spar, Billa oder Lidl einzukaufen, Firmen die keine einzige Ware aus der Umgebung in ihren Supermärkten verkaufen“.

Thomas Hartl

Facts zu Heini Staudinger
Der gebürtige Schwanenstädter ist Obmann des Vereins „Waldviertler - Verein für regionales Wirtschaften“ und zeichnet für das Projekt verantwortlich. Er ist Unternehmer, betreibt eine Schuhwerkstadt, eine Möbelwerkstadt und die Firma „Gea“.

Was ist der Waldviertler? - Factbox
Der Waldviertler ist ein ergänzendes Tausch- und Zahlungsmittel zum Euro. Er ist keine offizielle eigene Währung, sondern ein legales, vereinsinternes Gutscheinsystem. Er dient zur Förderung der regionalen Wirtschaft und zur Unterstützung von gemeinnützigen Vereinen. Die Gutscheine gibt es im Wert von: 1, 2, 5, 10 und 20 EURO.

Bezug der Gutscheine
In allen größeren Städten werden mehrere Ausgabestellen eingerichtet. Diese sind bei gemeinnützigen Vereinen angesiedelt. Hier können Euro 1:1 in Waldviertler getauscht werden.

Einkaufen
Die Kunden kaufen mit den Waldviertlern bei den teilnehmenden Geschäften ein. Die Gutscheine sind immer bis zum Ende eines Quartals gültig und können gegen eine kleine Gebühr von 2 Prozent durch Aufkleben einer Wertmarke erneuert werden. So bleibt der Waldviertler im Fluss und kurbelt die regionale Wirtschaft an. Wer Waldviertler einnimmt und vor Quartalsende wieder bei teilnehmenden Unternehmen ausgibt hat keine Kosten. Unternehmen die Waldviertler zurücktauschen möchten bezahlen einen Regionalbeitrag von 5 Prozent.

Mitgliedschaft
Aus rechtlichen Gründen müssen alle teilnehmenden Unternehmen und Kunden Mitglied werden. Die Mitgliedschaft ist beitragsfrei.

Kontakt
Tel.: 0285376276-18
www.waldviertler-regional.at