Linz hat zahlreiche Stadtparks, die neben ihrer ökologischen Funktion auch eine soziale Rolle spielen. Die Parke sind Treffpunkt für Jung und Alt, für ÖsterreicherInnen und MigrantInnen, aber auch Lebenorte für Menschen ohne Zuhause.
Eine Mutter schaukelt den Kinderwagen, zwei kleine Kinder laufen in der Wiese, drei Pensionisten genießen die Sonne, ein Betrunkener schläft seinen Rausch aus. Es ist ein traumhaft schöner Frühlingsnachmittag im Schillerpark. Nur wenige Meter vom hektischen Treiben der Landstraße entfernt, herrscht hier drinnen eine beschauliche Ruhe. Fast idyllisch zeigt sich die Szenerie. Bunte Blumenbeete leuchten, Bäume und Sträucher sind frisch erblüht, Tauben picken nach Essensresten. Je später der Nachmittag, desto mehr Menschen trudeln ein. Sie suchen nach freien Plätzen, bevorzugt in der Sonne. Abschalten für ein paar Minuten, weg vom Stress. Mittlerweile hat sich auch eine Reihe Schüler auf den Bänken breitgemacht. Ein jeder zündet sich eine Zigarette an, eine Colaflasche macht die Runde, einige Lacher sind zu hören.
Die zwei kleinen Kinder versuchen eine Taube zu fangen. Das Tier läuft im Kreis, der Kopf geht ruckartig vor und zurück. Eines der Kinder stolpert, fällt auf die Nase, beiden lachen, es ist nichts passiert, der Wiese sei Dank. Sie laufen schlafenden Mann vorbei, dessen Beine am Boden stehen, dessen Oberkörper aber auf dem eiskalten Drahtgeflecht der Sitzbank liegt. Eine Bierdose steht neben seinen Füßen. Niemand stört sich an ihm, niemand kümmert sich um ihn. Der Mann liegt regungslos.
Ein Slowake setzt sich auf den letzten freien Sonnenplatz, stolz streichelt er seinen seltsam aussehenden Hund. Der hat kaum Fell am Körper, nur am Kopf einen Schopf. Der Hund zittert selbst in der Sonne. „Ein chinesischer Schopfhund“, sagt sein Besitzer. „Mutation. Tschernobyl. Du verstehst?“, sagt er und grinst. Eine etwa 50 jährige, verwahrlost aussehende Frau schlurft vorbei, taxiert den Hund und sagt. „A nackert´s Viech. Na schiarch”. Der Slowake lächelt, er hat sie vielleicht nicht verstanden.
Drei türkische Männer schlendern ihre x-te Runde durch den Park. Alle stecken in Trainingsanzügen und Turnschuhen, allen baumelt eine dicke Golduhr am Handgelenk. Jetzt beobachten sie den Betrunken, er ist eben aufgewacht, reibt sich die Augen, stellt sich auf die Füße und geht. Zwei Minuten später sitzt er wieder auf seinem Platz, knackt eine Dose Bier, nimmt einen Zug und legt sich wieder hin. Die Würstlbuden rund um den Schillerpark werden ihn noch eine ganze Weile mit Treibstoff versorgen.
Thomas Hartl
Der Volksgarten
Neben dem Schillerpark gehört der Volksgarten zu den für Linz prägendsten Parkanlagen. Ein gepflegter Park im Zentrum der Stadt, ist er für die LinzerInnen in allen Jahreszeiten ein Anziehungspunkt. Zuletzt war der Volksgarten als Standort des neuen Musiktheaters im Gespräch und auch im Zuge des Baus der Linzer U-Bahn wurde eine U-Bahnrampe inmitten der Anlage erwogen, aber letztendlich verworfen. Dennoch mussten einige alte Bäume für den Neubau geopfert werden.
Zentrum der Parkanlage ist der große Spielplatz, der im Frühling und Sommer von den Familien mit Kindern intensiv genutzt wird. Ein Sandkasten mit einer Rutsche für die Kleinsten, ein großes Klettergerüst und Schaukeln sorgen für Abwechslung. Die Mütter erholen sich währenddessen auf den Parkbänken oder tauschen untereinander ihre Erfahrungen aus. Ein steinerner Tischtennistisch gilt als Treffpunkt für die jungen Leute. Jugendliche in- und ausländischer Herkunft stehen um den Tisch herum, unterhalten sich, gespielt wird eher selten. Obwohl es bereits sehr warm ist, bläst der Wind zu sehr und macht ein Spiel unmöglich.
Im 19. Jahrhundert war der Volksgarten nicht nur Ort der Erholung, sondern vielmehr ein kultureller Mittelpunkt der Stadt, mit Konzerten und einem eigenen Theater. Heute ist er für die meisten LinzerInnen und die Auswärtigen in erster Linie Duchgangsstation zwischen Bahnhof und Innenstadt. Die vielen Bänke inmitten alter Bäume und den Sträuchern, von denen der Volksgarten umzäunt wird, laden jedoch zum Verweilen ein. Zur Adventszeit ist er Austragungsort des größten Linzer Christkindlmarktes.
Das Publikum ist gemischt, In- und AuländerInnen, Jugendliche, Pensionisten und Obdachlose bevölkern den Park. Für die aktiv gebliebenen Pensionisten bildet das Schachfeld die größte Attraktion. Ungefähr ein Dutzend von ihnen stehen am und im Feld. Während die einen mit den - großteils kaputten - Figuren spielen, kommentieren die anderen den Fortgang des Spiels. Fehlen die Schachspieler, ist dort in erster Linie Treffpunkt für biertrinkende Obdachlose und sonstige Gestrandete der Gesellschaft. Die Papierkörbe quellen schon am Nachmittag über mit leeren Bierdosen. Als Treffpunkt für Drogenabhängige und wegen nächtlicher Aktivitäten von Homosexuellen, ist der Volksgarten ins Gerede gekommen. Davon ist aber am Tag aber nichts zu bemerken.
Reinhard Hofer
Volkspark unter Schutz stellenSeit Jahren versucht die Grüne Gemeinderätin Gerda Lenger den Volkspark unter Schutz zu stellen. Zuletzt wurde wieder eine ihrer Initiativen von SPÖ und ÖVP abgelehnt
„Mir ist völlig unverständlich, warum es für eine der wichtigsten Erholungslandschaften in Linz, für diese historisch bedeutsame Grünoase und für das künftige Park-Entree des Musiktheaters keinen besseren Schutz geben darf“, schüttelt Lenger über das rot-schwarze Stimmverhalten den Kopf.
Der Donaupark
Eine Seemöwe gleitet entlang der Straße über die fahrenden Autos hinweg, um nach fünfzig Metern nach links über den Park auf die Donau hinüberzusegeln. Der Donaupark ist der größte Park im Zentrum der Stadt und sein Erscheinungsbild wird durch seine markanten Bauwerke geprägt. Die größten sind das Brucknerhaus und auch das Arcotel, an dessen Anblick man sich mittlerweile gewöhnt hat. Und natürlich das architektonisch modernste und auffallendste Bauwerk, das Kunstmuseum Lentos. Als Teil der „Linzer Kulturmeile“ leuchtet das Lentos buchstäblich hervor, in der Nacht abwechselnd in blauer oder rosa Farbe. Einige Riesenskulpturen moderner Kunst aus Voest-Stahl, von internationalen Künstlern kreiert, zieren den Donaupark.
Schon vor dem Morgengrauen begegnet man den ersten Joggern und Hundebesitzer beim Gassigehen. Das Grünareal zwischen Eisenbahn- und Nibelungenbrücke bietet idealen Auslauf für beide Gruppen und wird auch intensiv genutzt.
Der Donaupark ist Visitenkarte für die vielen TouristInnen, die per Schiff nach Linz kommen oder auch nur kurz an der Anhaltestelle aussteigen. Das mit Geh- und Radwegen durchzogene Areal lädt zum Spazieren gehen ein. Ein Spielplatz in der Nähe des Parkbads mit einigen Klettergerüsten und Schaukeln steht den Kindern zur Verfügung, mehrere Parkbänke den Erwachsenen..
Die verschiedensten Baum- und Straucharten wachsen auf den Hängen und ab dem Frühling blüht hier alles in den herrlichsten Farben. Darum ist der Donaupark auch einer der beliebtesten Aufenthaltsorte für die LinzerInnen. Im Sommer ist er zentraler Treffpunkt für Hunderte Jugendliche, die biertrinkend, Gitarre spielend, hier ihre Freizeit verbringen, oft bis in die frühen Morgenstunden.
Reinhard Hofer
Der Dompark
Einer der kleinsten und hübschesten Linzer Parks ist der Dompark. Den Namen hat er wegen des angrenzenden, im neugotischen Stil erbauten Neuen Doms. Das ist aber nicht die einzige Attraktion der Anlage. Zentrum ist ein Teich, der, von Seerosen übersät, vielen Goldfischen aber auch Enten Lebensraum bietet. Große Laubbäume prägen das Ambiente des Parks, das man auf einigen Sitzbänken aus Holz und aus Stein genießen kann. Er macht einen sehr idyllischen und gepflegten Eindruck, Menschen aller Altersgruppen sitzen vereinzelt auf den Bänken. Er scheint kein Treffpunkt für Obdachlose oder sonstige Randgruppen zu sein, dennoch sieht man ab und zu einem Betrunkenen, der auf einer Bank seinen Rausch ausschläft.
Thomas Hartl