Von der Wolle zum Geschenk der Götter

Seit 20 Jahren werden im nördlichen Mühlviertel Hängematten produziert – dabei wird auch stark auf Mitbestimmung der MitarbeiterInnen und Ökologie gesetzt.

La Hamaca – ein Geschenk der Götter nennen die Indios die Hängematte. Der Entwicklungshelfer Franz Rohrmoser brachte von seinem Einsatz in Brasilien in den sechziger Jahren eine Matte mit in der er dort geschlafen hatte. Seine Idee war, dieses Produkt auch in Österreich herzustellen.
Gemeinsam mit anderen konstruierte und baute er dazu die nötigen speziellen Webstühle und die ersten Produkte fanden reißenden Absatz. Nachdem der erste Standort in Eugendorf bei Salzburg bald zu klein wurde, war der nächste Schritt der Umbau eines Bauernhofs in Öpping (nördliches Mühlviertel) wobei auch auf die Erhaltung der Bausubstanz, die ein Ziegeleigewölbe aus dem Jahr 1876 beinhaltet, geachtet wurde.
Dort finden sich inzwischen nicht nur die Weberei, sondern auch Zwirnerei, Tischlerei, Büro- und Verkaufsräume. Bewusst verzichtet wird darauf, Teile der Produktion in scheinbar „billige“ Nachbarländer auszulagern. Produziert werden ausschließlich aus heimischen Materialien Hängematten für Babys, Kinder und Erwachsene sowie die dazu gehörigen Holzgestelle und Aufhängevorrichtungen.
„Schon sehr früh haben wir uns für ein ökologisches Heizsystem entschieden, unsere Wärme kommt ausschließlich aus den unbehandelten Abfällen der Holzwerkstatt“, berichtet Hilde Rohrmoser, Nichte des Entwicklungshelfers und heute Geschäftsführerin der Firma Chico.
Mit dem Umbau des Bauernhofes wurden „in einer typischen Pendler-Grenzregion Arbeitsplätze geschaffen – bei uns ist zudem Teilzeitbeschäftigung für Frauen und Männer möglich“, so Rohrmoser. Ebenso von Anfang an wurde viel Wert auf Mitbestimmung gesetzt. „Alle GesellschafterInnen sind zugleich ArbeitnehmerInnen und auch alle anderen 22 MitarbeiterInnen werden weitgehend in die Entscheidungsprozesse einbezogen“, das sorgt, wie Rohrmoser berichtet, für ein unverwechselbares Arbeitsklima, in dem alle auch Raum finden ihre Talente und Ressourcen einzubringen.
Vermarktet werden die Chico-Produkte über den Direktverkauf in Öpping, Eugendorf, Kuchl und Wien, bei Messen, über Versandhandel und bei über 200 Vertriebspartnern u.a. in Österreich, Deutschland, Tschechien, der Schweiz und den Beneluxländern. „Ein nächster Schritt bei unserem bewusst kontrollierten und maßvollen Wachstum sollen besonders die südlichen EU-Länder sein“, blickt Rohrmoser in die Zukunft.

Christian Freisleben-Teutscher

Aus oö.planet Nr. 40/05