Mit Wissen und Liebe

1980 begann die Biologie-Lehrerin und Grüne Gemeinderätin in Tollet Maria Rössler, gemeinsam mit ihrer Tochter Rebecca, das was in der Natur zu verschwinden drohte in den Garten zu holen und zu vermehren.

Auf rund einem Hektar samt Mühlbachgraben rund um die alte Mühle in der sie wohnen gilt das besondere Augenmerk den heimischen Wildrosen. Das Grundstück wurde zu einer Art Öko-Insel, die auch auf zahlreiche selten gewordene Tiere Anziehungskraft ausübt.

öö.planet:
Wie hat euer bemühen um die Wildpflanzen begonnen?
Rössler:
Seit die ersten Steyrer-Traktoren die Noriker ersetzt haben, habe ich viele Paradiese sterben gesehen. Pflanzen sterben leise. Arten, die ihre Samen nicht mit Wind, Wasser oder Vögeln auf die Reise schicken, kehren meist nicht mehr wieder, wenn sie im Umkreis von 200 m nicht mehr vorkommen.
Als ich 1977 in die Höretsmühle in Unterstetten einzog, hatte ich endlich die Möglichkeit, alles, wofür in der Umgebung kein Platz mehr war und was sprichwörtlich unter die Räder kam, auf meinem Grundstück in Sicherheit zu bringen: Im alten Mühlbachgraben fühlen sich z. B. Feuchtwiesenpflanzen besonders wohl und unter den alten Kopfweiden und Erlen herrschen ideale Bedingungen für Schattenpflanzen. (Foto Frühblüher im Schatten einer Feldulme)

oö.planet: Arbeitet ihr mit anderen Initiativen zusammen? Wer „profitiert“ noch von eurer Arbeit?
Rössler: Nachdem wir 2 kleine Maisfelder wieder in Grünland verwandelt hatten, konnte sich die gesamte Vielfalt der heimischen Sträucher an den Straßenrändern und Böschungen ausbreiten. Besonders die Wildrosen haben es meiner Tochter Rebecca angetan. Sie unterscheidet und vermehrt mittlerweile über 20 heimische Wildrosenarten, darunter einige, die in Oberösterreich. als ausgestorben gelten, wie die Essigrose. Durch unsere Pflanzen haben wir auf Pflanzenbörsen und über die Arche Noah viele Gleichgesinnte kennen gelernt und es herrscht ein reger Austausch von Pflanzen auch aus dem pannonischen Klima und Alpenpflanzen. Mittlerweile sind wir in der Lage, unzählige Arten für die verschiedensten Standorte bereitzustellen, auch für Kindergärten und naturnahe Schulareale.

oö-planet: Was ist deine Motivation für diese Arbeit?
Rössler: Als Biologielehrerin ist es mir besonders wichtig, dass wir das Staunen nicht verlernen. Die große Pflanzenvielfalt begünstigt einen ebenso großen Artenreichtum unter den Insekten und man hört auch immer wieder neue Vogelstimmen. Denn obwohl wir in unserem pflegeleichten Garten relativ wenig arbeiten, ist der Tisch in unserem Garten reich gedeckt: Unsere zahlreichen Urpflaumen (Kischpflaumen, Ziberl, Rosspauke, Bidling .....) sind nicht nur zur Blütezeit sehr attraktiv für Insekten, sondern stehen auch als Frucht Ende Juli auf der Speisekarte vieler Vögel und Säugetiere, denn sie tragen überaus reich. Auch wir essen die überaus gesunden alten Pflaumenarten roh oder verarbeiten sie zu herrlichen Marmeladen.

Interview: Claudia Hössinger

Kontakt: Familie Rössler, 4715 Tollet, Unterstetten 29. mail: maroess@remove-this.gmx.at

Aus oö.planet Nr. 38/05