Besser essen

Slow food ist Lebensgenuss und kann Ihr Leben verlängern.

Ansichten von Barbara Vanek

Überall dominiert Hektik, Stress, Schnelligkeit. Es gewinnen anscheinend nur diejenigen, die schneller und besser sind als die anderen. Nirgendwo zeigt sich dieser Zeitgeist so nachhaltig wie in der Ernährung.

Was ist noch gesund daran, wenn wir unsere vom einige Kilometer weit enfernt gelegenen Supermarkt mit dem Auto gekauften Fertiggerichte zwei Minuten und dreißig Sekunden in der Mikrowelle im Büro wärmen und hastig zwischen zwei Bergen von Akten Mittagspause machen?

Die Antwort ist einfach.

Eine langsame und genussvolle Nahrungsaufnahme ist die einzige Möglichkeit, unabhängig von anderen, auf die man/frau beruflich angewiesen ist, dem Alltagsstress zu entsagen.

Wer sich zumindest eine halbe Stunde Zeit zum Mitagessen nimmt und in dieser Zeit wirklich nichts anderes tut als essen und trinken, füllt nicht nur den Magen, sondern fühlt sich auch gleich besser und leistet mehr.

Ein herzhaftes Mahl muss nicht unbedingt teurer sein als konventionelles Fast Food. Wenn die gesamte Belegschaft beispielsweise auf ein Lebensqualitätenkonto des Betriebes einzahlt und immer jemand anderer für die KollegInnen einkauft und kocht, so schafft das auch eine entspanntere Atmosphäre in kleinen und mittelständischen Unternehmen außerhalb der "reinen" Arbeitszeit. Beim essen kommen eben die "Leute zusammen."

Als ich nach meinem Studium bei einem namhaften österreichischen Pianisten als Assistentin volontierte, kochte die polnische Köchin für alle ein Mittagessen, das zwar nicht immer vortrefflich war, doch es war abwechslungsreich, meistens gesund und führte zwischen Musiker und MitarbeiterInnen zu einer ungezwungenen "Wohnzimmeratmosphäre", die es so sonst nicht gegeben hätte.

Schon die alten Griechen legten Wert auf Qualität in der Küche und der Diskussion, das Wort Symposium aus "syn" für zusammen und "posion" für Trinken leitet sich davon ab.

Die Quintessenz dessen ist, dass man/frau beim genüsslichen Essen und Trinken zusammen mit anderen, und das durchaus nicht nur in der Freizeit, gesünder lebt, vielleicht auch länger, vor allem aber wesentlich besser als bei immer der selben Pizza bei immer dem selben Italiener.

oö.planet Nr. 33/04