Aussteiger im eigenen Garten

Der einstige Computerfachmann Erwin Zachl züchtet jetzt Gemüsepflanzen und bietet Seminare für Permakultur im Hausgarten an. Der oö.planet besuchte eines seiner Seminare.

Schon vor 25 Jahren, zu einer Zeit als von den Grünen noch nicht einmal die Rede war, begann sich der bisherige Schreibtischtäter Erwin Zachl aus Steyr seine Gedanken über Umweltzerstörung zu machen und suchte nach Alternativen, die sowohl der Umwelt als auch der Gesundheit seiner Familie dienlich waren. Er kaufte sich in der Umgebung von Steyr ein Haus und baute dort Obst und Gemüse an, selbstverständlich biologisch, vorerst nur für den eigenen Bedarf. Der Besuch beim Agrarrebell Sepp Holzer im Lungau erweckte in ihm das Interesse an Permakultur. „Dieser Mensch hat mich fasziniert, auch wenn ich nicht alles unterschreiben kann, was er von sich gibt. So habe ich mich entschieden, in Stainz in der Steiermark die Ausbildung zum Permakultur-Trainer zu machen. Dort haben wir gelernt, ohne körperlichen Krafteinsatz einen Permakultur-Garten ganz nach unseren Bedürfnissen zu planen. Und für die Mittagspause hat es geheißen, ihr dürft Brot und Butter mitnehmen, den Rest besorgt euch aus dem Garten. Und so ist jeder mit Gemüse, Salat und Kräutern in der Hand zurückgekommen.“

Dass die New-Economy wie eine Seifenblase zerplatzte, war für den gelernten Computerfachmann, der sich mit hochsensiblen Netzwerken beschäftigte und dessen Familie zunächst ein Schock. „Was macht ein fast 50-jähriger Mann stattdessen? Da ist mir die Idee mit dem eigenen Garten gekommen.“ Erwin Zachl macht einen zufriedenen und entspannten Eindruck und seine Augen beginnen zu leuchten, wenn er von seinem Garten schwärmt. Mittlerweile verkauft er an die hundert verschiedenen Tomatenpflänzchen, Paprika und mehrere kaum mehr erhältliche Pflanzensamen buchstäblich in alle Welt. Daneben hält er Kurse ab, seine Spezialgebiete sind Pilzzucht und die Arbeit mit Weiden.

„Wer nicht weiß, was Pikieren ist, der lernt es bei mir. Es kommen oft Leute aus der Stadt zu mir, die noch nie eine Tomatenstaude gesehen haben.“ Nach einem kurzen Theorieteil und einer Führung durch den Garten lässt Erwin Zachl die KursteilnehmerInnen ein Beet anlegen. Vorerst stehen alle zurückhaltend aber erwartungsvoll im Halbkreis um einen mit Unkraut zugewachsenen Fleck. Sense, Scheibtruhe, Gießkanne und Karton werden gebracht. „Das geschnittene Gras kann ruhig liegen bleiben“, meint Zachl, „das gibt dem Boden Nährstoffe.“ Der feinsäuberlich von allen Plastikteilen gereinigte Karton wird in der Größe des anzulegenden Beetes aufgelegt und ausgiebig begossen. Darauf wird eine etwa drei Zentimeter dicke Schicht Kompost aufgebreitet, dann folgt Erde und zum Schluss Stroh, etwa sieben Zentimeter dick. In dieses Stroh haben dann die KursteilnehmerInnen zusammen Saatkartoffen eingelegt. Nach dem Gießen war das Beet fertig. „Wenn von den Erdäpfeln das erste Grün kommt, tut dann sofort wieder frisches Stroh darauf, solange bis Juli ist, weil dann wachsen die Erdäpfel nicht mehr. Und wenn ihr ernten wollt, braucht ihr nur das Stroh zur Seite schieben und ihr habt die frischen Erdäpfel in der Hand.“ „Die Zeit der Schwerstarbeit im eigenen Garten ist vorbei. Ich will ja nicht mein Kreuz ruinieren, mit dem Stroh geht das, außerdem kann man es im nächsten Jahr wieder verwenden.“ Dieses Prinzip funktioniert genauso bei allen Wurzelgemüsen.

Zum Schluss zeigte Erwin Zachl der interessierten Runde noch den eigenen Spargel, den er bald stechen wird.

Demnächst erscheint sein Buch über Permakultur, nähere Informationen darüber sowie über den Betrieb und Kurszeiten finden sich auf www.bio-ernteland.at