Pflanzenöl als Dieselersatz

Im Vergleich zum (Gen)Rapsöl bietet sich Leindotteröl aus Biolandbau als die viel bessere Alternative an.

Unter dem Motto „Vom Feld in den Tank“ sind in der Landwirtschaft in Spritpreis-Zeiten wie diesen Alternativen zum Diesel gefragt wie noch nie. Rapsöl erscheint vielen als Lösung, aber nicht allen. Die Grünen befürchten, dass sich damit ein Schlupfloch für genmanipulierten Raps auftut. Birgit Birnstingl, Leiterin der „ARGE Kreislaufwirtschaften mit Mischkulturen“ mit Sitz in der Oststeiermark, sieht das genauso. Die ARGE setzt aber auch aus anderen Gründen auf extensiv produzierbare Pflanzenöle wie z.B. die Alternative Leindotteröl.
„Leindotter ist eine alte und fast vergessene Ölpflanze, die sehr gut in Mischformen des Biolandbaues anzubauen ist. Dabei wächst sie neben der Hauptkultur einfach mit und liefert so hochwertiges Pflanzenöl und damit auch Treibstoff für Dieselmotoren“, erklärt Birnstingl, die kürzlich auf Einladung des Biobauernstammtisches Schärding im Innviertel war. Sie betreut rund 90 Mitgliedbetriebe, die österreichweit rund 12.000 ha Leindotter in Mischkulturen, also Pflanzgemeinschaften, des Biolandbaues anbauen.
Der Nutzen dieser Anbaumethode geht weit über die Treibstoffproduktion in bäuerlicher Eigenregie hinaus. „Der Biolandbau übernimmt sozialpolitische Aufgaben, indem er den Humus wieder aufbaut. Das erhöht die Fähigkeit der Böden, Wasser zu speichern und starke Regen aufzunehmen. Die Gefahr von Überschwemmungen wird geringer. Der Humus ist auch ein enormer CO2-Puffer. Je mehr Biolandbau, umso mehr Humus, und umso mehr Bindung von CO2 im Boden. Das ist immens wichtig angesichts des Klimawandels“, erklärt Birnstingl.
Nun lasse sich aber selbst im Biolandbau diese Speicherfähigkeit des Bodens noch einmal steigern, und zwar durch optimale Durchwurzelung, wie man sie in Mischkulturen erreiche, so Birnstingl weiter. Und dafür wären wiederum Ölpflanzen, die gleichzeitig einen Dieselersatz liefern, besonders sinnvoll, zeigt Birnstingl auf, wie die Landwirtschaft in Kreisläufen handeln und sich dabei auch um die eigene Energieversorgung kümmern kann.
Weitere Infos:  HYPERLINK "http://www.arge-kreislaufwirtschaften.com" www.arge-kreislaufwirtschaften.com und www.oeko-cluster.at
Anna Miglbauer

Factbox
Als Rudolf Diesel vor gut 100 Jahren seinen Dieselmotor vorstellte, war der heute bekannte mineralische Dieselkraftstoff noch nicht erfunden. Diesel betrieb seinen Motor mit reinem Pflanzenöl. Seit 1999 kommt man im Ökocluster Oststeiermark diesem Gedanken wieder nahe. Wissenschaftliche Projekte beschäftigen sich mit der Umrüstung auf pflanzenölbetriebene Motoren, und bereits umgestellte Dieselfahrzeuge werden mittlerweile durch 12 Pflanzenöl-Tankstellen versorgt.

Aus oö.planet Nr. 39/05