Wer heute einsteigt, ist morgen Gewinner

Pellets-Produzent Gerhard Glechner im oö. planet Interwiev über die Erfolgsstory der energiegeladenen Holz-Presslinge.

Von Anna Miglbauer

Preisexplosionen beim Heizöl wie in den letzten Wochen müssen Sie als Pellets-Produzent ja freuen?

Natürlich bedeutet das Rückenwind für uns. Wenn der Ölpreis stark steigt, fangen die Leute vor allem bei Neuanlagen zu rechnen an. Speziell junge Menschen, die ein Haus bauen wollen, entscheiden sich dann dafür, ein umweltfreundliches System wie eine Pelletsheizung einzubauen. Wir als Pelletsproduzent und –lieferant spüren die gestiegene Nachfrage mit einem Jahr ‚Verspätung’, wenn für Neuanlagen die erste Heizperiode kommt. Schwierig ist hingegen der Sanierungsmarkt, wo es um die Umrüstung bestehender fossiler Systeme geht. Da kommen wir kaum hinein.

Wieviel erspart sich in Zeiten hoher Ölpreise ein Durchschnittshaushalt mit Pelletsheizung an Brennstoffkosten, verglichen mit einer Ölheizung?

Nehmen wir an, dass, wie heuer schon geschehen, ein Liter Heizöl auf Basis von 3000 Liter Abnahme 50 Cent kostet, dann ist die Pellets-Heizung während des Betriebes um rund ein Drittel billiger. Ein Liter Öl hat 10 Kilowattstunden Brennwert, ein Kilo Pellets hat 5 kWh. Man braucht also zwei Kilo Pellets, um einen Liter Öl zu ersetzen. Nun kosten zwei Kilo Pellets 0,32 Cent. Es steht also 50 Cent zu 32 Cent. Und wer an die Zukunft denkt: Der Pellets-Preis fällt sogar tendenziell.

Wieso das? Es heißt doch eher, dass auch der Pellets-Preis mit steigenden Ölpreisen mitziehen könnte.

Das ist ein Irrglaube. Der Pellets-Preis fällt, weil immer mehr und immer größere Anbieter auf den Markt drängen. Leider werden aber auch immer mehr Pellets aus dem Ausland importiert, etwa aus Skandinavien und Brasilien. Das ist aus ökologischer Sicht kontraproduktiv, wenn man die langen Transportwege bedenkt. Es läuft aber auch dem Ziel zuwider, über die Forcierung der Biomasse die regionale Wirtschaft zu stärken, denn die Wertschöpfung liegt dann woanders. Und oft ist importierte Ware auch qualitativ schlechter als heimische.

Sie raten also, beim Pellets-Kauf genau auf die Herkunft zu schauen?

Ja natürlich, aus den genannten Gründen und auch aus Eigeninteresse. Unser Problem der Zukunft wird sein, den Großanbietern Stand halten zu können. In unserer Branche ist es wie in vielen Branchen: Die Kleinen bereiten den Markt auf, dann kommen die ganz Großen. Noch ein Wort zur Qualität. Heimische Pellets sind mit Codierteilchen vermischt, die die regionale Herkunft und Qualität beweisen.

Wie steht es mit Ihren Expansionsplänen?

Auch wir wollen uns vergrößern, aber in einem ökologisch verträglichen Rahmen. Exportieren ist nicht angedacht. Wir produzieren und vertreiben nicht nur ein umweltfreundliches Produkt, wir bemühen uns auch, nachhaltig zu wirtschaften.

Factbox

+ 1996 stellten die Brüder Gerhard (36) und Bernhard Glechner das familieneigene Mischfutterwerk in Mattighofen auf Pellets-Produktion und -Vertrieb um. Heute ist man Marktführer in OÖ und Salzburg und in Tirol und NÖ auf Franchise-Basis vertreten. 2002 errichtete Glechner in Pfarrkirchen in Bayern ein Pellets-Werk der „neuesten Generation“, das an ein Holzwerk angebaut ist und dessen Sägespäne-Silo anzapft. Die Späne-Zulieferung durch Lkws fällt weg. Der Standort Mattighofen wird von Sägewerken aus der Region mittels Lkws beliefert. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 39 MitarbeiterInnen.
+ OÖ ist mit rund 6000 Pelletsheizungen (27 Prozent aller österreichischen Anlagen) Pelletsland Nummer 1. Die Landespolitik unterstützt den Aufwärtstrend durch neu gestaltete Förderrichtlinien und eine vereinfachte Abwicklung (gemeinsam durch Umwelt-, Agrar- und Wohnbauförderungsabteilung). Zahlreiche oö. Gemeinden geben zusätzliche Förderungen.

oö.planet Nr. 34/04