Innviertler Stromlösung gesucht

Ein grünes Pilotprojekt versucht, einer Region die von vielen abgelehnte Stromschiene zu ersparen und trotzdem die Stromversorgung zu sichern.

Ried-Raab-Ranna: Seit 1997 wird in dieser Innviertler Region wegen einer geplanten 110-kV-Leitung heftig gestritten. BürgerInneninitiativen und einige Gemeinden wehrten sich über die Jahre gegen die Pläne der Energie AG. Zu einer Lösung kam es in diesem Dauerkonflikt nicht.
Nun aber ist Bewegung in die leidige Angelegenheit gekommen. Umwelt-Landesrat Rudi Anschober, zuständig auch für Energie, packt das Problem an. Gemeinsam mit der Region hat man sich auf die Suche nach Alternativen zur vielerorts so vehement abgelehnten Freileitung begeben, denn eines steht mittlerweile nach fünf Jahren Monitoring durch die TU Graz zweifelsfrei fest: Es muss etwas geschehen. Der Stromverbrauch in der Region erhöht sich pro Jahr um vier Prozent. Die Stromversorgung ist aber bereits jetzt derart kritisch, dass sich in manchen Gebieten keine Betriebe mehr ansiedeln können. Das Stromnetz steht am Ende seiner Kapazität.
Die schönste, weil durch und durch grüne Alternative, wäre zweifellos jene, welche die TU Graz derzeit im Auftrag des Umweltressorts auf ihre technische Machbarkeit überprüft: Dem Raum Ried-Raab-Ranna die Stromleitung ersparen, indem einerseits in der Region selbst mittels Biogas-Anlagen Strom erzeugt und in das öffentliche Netz eingespeist wird und andererseits parallel dazu ein effektives Energiesparprogramm durchgezogen wird. So sollten zum Beispiel die vielen Elektroheizungen in zahlreichen öffentlichen Gebäuden durch Energie aus lokalen Biomasse-Anlagen ersetzt werden.
Allerdings wirft dieser Ansatz, der so bestechend einfach klingt, eine Fülle schwierigster Fragen auf, die sowohl technischer als auch rechtlicher Natur sind. Erstere wird die TU Graz mit Hilfe komplizierter Netzsimulationen bis August dieses Jahres geklärt haben. Dann liegt eine klare Aussage vor, ob das Projekt technisch machbar ist, und wenn ja, wie. Vereinfacht ausgedrückt geht es darum, wie viele Biogas-Anlagen wo wann wieviel Strom produzieren und einspeisen müssten. Das Umweltressort rechnet damit, dass die Grazer das Projekt für möglich erklären, was aber noch lange nicht dessen Realisierung bedeute. Die vielen noch zu klärenden rechtlichen Fragen rund um den Betrieb dieser dezentralen Kraftwerksanlagen, den Zugriff darauf, ihre Steuerung und Koordinierung, die Vergütung für den produzierten Strom etc. seien nicht minder komplex als die technischen.
Der Ehrgeiz, das Projekt Ried-Raab-Ranna Wirklichkeit werden zu lassen, sei trotz aller Schwierigkeiten aber groß, vor allem auch bei den Ansprechstellen in der Region, die sich massiv in die zuständige Arbeitsgruppe einbringen, wie das Umweltressort lobt. Gleichzeitig sei es aber wichtig, keine überzogenen Erwartungen zu wecken – zwar handle es sich bei diesem grünen Projekt um das Wunschziel fast aller Beteiligten, gleichzeitig aber auch um den ersten derartigen Versuch.

Anna Miglbauer


Aus oö.planet Nr. 38/05