Der Ölpreis hat im letzten Jahr neue Rekordpreise erreicht. Gründe dafür gibt es viele. Doch: Wer profitiert von dieser Entwicklung? Wer zahlt drauf?
Gewinner Nr. 1: Die Ölmultis
Mit den steigenden Ölpreisen sind auch die Gewinne der multinationalen Erdölkonzerne deutlich angestiegen: Die drei größten amerikanischen Ölkonzerne ExxonMobil, Chevron und Conoco-Phillips verdienten in den ersten neun Monaten des Jahres 2005 insgesamt 45 Milliarden Dollar, bei Exxon bedeutete das etwa eine Gewinnsteigerung um 50 Prozent! Die OMV-Aktie legte beispielsweise um 25 Prozent zu.
Gewinner Nr. 2: Der Finanzminister
Mitnaschen tut auch der Finanzminister. Weil die Mehrwertssteuer proportional mit den Spritpreisen steigt, erhöhen sich die Steuereinnahmen. Pro Cent Preiserhöhung nimmt der Staat um 12,6 Millionen Euro mehr ein. Nach Berechnungen der Arbeiterkammer belaufen sich die Mehreinnahmen seit Jänner 2004 auf mehr als 300 Millionen Euro.
Verlierer Nr. 1: Entwicklungsländer
Dramatisch ist die Situation für die erdölimportierenden Länder. Laut Berechnungen von UNDP sind die ärmsten Staaten am stärksten von der Erdölverteuerung betroffen. Hohe Treibstoffpreise bedrohen die Fischerei, das Exportgeschäft mit Blumen oder Gemüse aus Ostafrika erleidet infolge steigender Transportkosten massive Einbußen, USW. In Staaten wie Nicaragua oder Senegal stieg die Armutsrate in Folge des hohen Ölpreises um bis zu 5 Prozent.
Aber auch das erdölexportierende Nigeria ist massiv betroffen: Der größte afrikanische Rohölexporteur hat zu wenig Raffinerien und muss Erdölprodukte zu (steigenden) Weltmarktpreisen einkaufen: Ein Mal mehr fließt also Geld von den armen Ländern des Südens in die übervollen Kassen von reichen Konzernen im Norden.
Verlierer Nr. 2: PendlerInnen
Tagtäglich pendeln ca. 1,5 Millionen ÖsterreicherInnen zur Arbeit. 600.000 sind davon auf das Auto angewiesen, weil es v.a. in den ländlichen Regionen keine ausreichenden Verkehrsmittel gibt. Und eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrs steht nicht auf der Tagesordnung dieser Bundesregierung. Besserung ist also nicht in Sicht. Leidtragende sind also die PendlerInnen, die die steigenden Kosten aus der eigenen Tasche zahlen müssen.
Energiewende ist nötig!
Der einzig positive Effekt des Ölschocks scheint das erhöhte Bewusstsein für erneuerbare Energien zu sein. Und der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat die Abhängigkeit von (billigem) Öl und Gas noch zusätzlich deutlich gemacht. In den nächsten Jahrzehnten muss diese Abhängigkeit zugunsten erneuerbarer Energie überwunden werden.
Markus Pühringer