Energiesparen kinderleicht gemacht

Im ersten Passivhaus-Kindergarten des Landes lernen die Kids das Bauen und Wohnen der Zukunft kennen.

Ein Kindergarten, der auch bei Minusgraden ohne herkömmliche Heizung auskommt, und den Mädln und Buben drinnen ist es trotzdem behaglich warm? Dazu immer frische Luft, obwohl die Fenster nur selten geöffnet werden? Klingt unglaublich, ist aber wahr. Bei diesem Kindergarten handelt es sich nämlich um den ersten Passivhaus-Kindergarten des Landes. Entstehen wird er in Schneegattern in der Braunauer Gemeinde Lengau. Im Herbst soll er fertig sein.
Was Laien verblüfft, ist für Fachleute ganz normal: Beim System Passivhaus reicht im Wesentlichen die passive Nutzung der Sonneneinstrahlung durch die Fenster und die Wärmeabgabe von Geräten und sich im Haus aufhaltenden Personen aus, um eine angenehme Innentemperatur zu halten, lautet das Grundprinzip. Brennen ein paar Kerzen oder sind die Herdplatte, der Kühlschrank, Computer, Föhn, Fernseher eingeschaltet, geben diese zusätzlich zur Sonne Wärme in die Raumluft ab. Dasselbe tut ein Mensch: 80 Watt strahlt ein Erwachsener ab. 30 bis 35 Personen können damit ein Passivhaus mit ihrer eigenen Abstrahlung wärmen, selbst, wenn es draußen kalt ist. Und lüften brauchen sie auch nicht: Für Frischluft trotz geschlossener Fenster sorgt im Passivhaus automatisch die kontrollierte Wohnraumlüftung. Keine Kälte, kein Staub dringt ins Haus.
Voraussetzung dafür, dass das alles auch in unseren Breiten wirklich klappt, ist die optimale Nutzung der Sonneneinstrahlung über die Fenster und eine Gebäudehülle, welche die Wärme im Inneren hält, damit nur ja nichts davon verloren geht. Passivhäuser haben deshalb eine perfekte Wärmedämmung (Wände, Fenster) sowie hohe Luftdichtheit und vermeiden Wärmebrücken.
„Die Passiv-Bauweise mit ihrem Anspruch, Energie zu sparen, ist sehr zu begrüßen, vor allem bei einem öffentlichen Gebäude wie bei unserem neuen Kindergarten. Er wird sicher Vorbildwirkung haben“, sagt Hans Winkelmeier vom Verein Energiewerkstatt, der auch Grüne-Gemeinderat in Lengau ist. Als Grünem ist ihm freilich wichtig, dabei auch auf das Prinzip der Nachhaltigkeit zu schauen. „Ein Passivhaus soll auch ein möglichst ökologisches Haus sein“, sagt Winkelmeier. Etwa, indem man, so wie in Schneegattern, den natürlichen heimischen Baustoff Holz verwendet oder Zellulose statt Schaumstoff als Dämmmaterial einsetzt. Wird dann noch das Warmwasser mittels Sonnenkollektoren aufbereitet und an den wenigen Tage, an denen man ob extremer Kälte doch „dazuheizen“ muss, eine speziell auf Passivhäuser zugeschnittene „Mini“-Pelletsheizung benutzt, dann ist man schon nahe am Idealzustand.
Ursprünglich als Niedrigenergie-Variante geplant, wird der neue Kindergarten mit Hilfe einer Finanzspritze des Landes nun als Passivbau verwirklicht. Das Umweltressort von Landesrat Rudi Anschober finanziert die Mehrkosten von 55.000 Euro. Das Pilotprojekt soll zeigen, dass in jedem Bereich nachhaltige Passivbauweise eingesetzt werden kann.

Infos zum Passivhaus, Förderungen etc. beim OÖ. Energiesparverband, Tel. 0732/7720-14380, www.esv.or.at

Anna Miglbauer