Auf dem Weg zur energieautarken Gemeinde

Die Energiewerkstatt GmbH liefert umstiegswilligen Kommunen mit dem „Energiebaukasten“ den Fahrplan dafür.

Mit jedem Dollar mehr, den ein Fass Rohöl kostet, steigt das Interesse an Alternativen. Insofern stehen die Chancen auf einen Energieumstieg, wie ihn die Gemeinde Munderfing anstrebt, besser denn je: Sie will sich bis zum Jahr 2035 zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgen.
„Bewusstseinsbildung ist besonders wichtig. Wir müssen die Menschen durch intensive Öffentlichkeitsarbeit vom Start weg für dieses große Ziel gewinnen“, sagt Elfi Salletmaier. Sie leitet das Projekt „Energiebaukasten“. Dabei handelt es sich um ein Umstiegskonzept, das die in Munderfing ansässige Energiewerkstatt GmbH derzeit entwickelt. Kräftig unterstützt wird sie dabei von der Gemeinde als Projektträger und einer speziellen „Energiegruppe“, die aus Amtsleiter, Ortsbauer, Baumeister, Elektriker etc. besteht.
Dass die Energiewende möglich ist, zeigt die GmbH mit ihrem Firmengebäude, einem Niedrigenergiehaus. Energiesparen, wo es nur geht, Pelletsheizung sowie 100 Prozent Ökostrom durch Sonnenkollektoren, Fotovoltaikanlage und eine Windrad-Beteiligung ergeben eine erstklassige Bilanz. Getrübt wird diese derzeit noch durch den hohen Treibstoffverbrauch. „Beim Treibstoff ist die Umstellung generell am schwierigsten. Aber auch da wird es in den nächsten 30 Jahren ausgereifte Lösungen geben“, sagt Elfi Salletmaier.
Die Energiewerkstatt GmbH will mit dem Baukasten aber nicht nur der Innviertler Gemeinde den Weg in die Energiezukunft weisen. „Das Konzept ist auf andere Gemeinden übertragbar. Wir bieten dieses Modell den Kommunen als neues Produkt an“, erklärt Salletmaier.
Das größte Gewicht im Konzept hat eindeutig der Baustein Energiesparen. Was nicht eingespart werden kann, wird aus erneuerbaren Energiequellen (mögliche Bausteine sind Wind, Sonne, Biomasse, Biogas, Wasser, Geothermie) abgedeckt. Deshalb wird zunächst der aktuelle Gesamt-Energiebedarf der Gemeinde erhoben. Die Daten werden dann mit Kennzahlen verglichen, und das bringt Einsparungspotentiale ans Licht. Übersteigt z. B. der Heizölverbrauch die beheizten (Wohn)Flächen, dann sind viele Gebäude schlecht isoliert. Als Reaktion auf derartige Schwachpunkte folgen diverse Veranstaltungen, in diesem Fall eine Aktion zum Thema Wärmedämmung gemeinsam mit dem Baumeister aus der Energiegruppe.
Als nächster Schritt wird eruiert, wie viel erstens an erneuerbarer Energie in der Gemeinde bereits verfügbar ist und wie viel zweitens künftig zu produzieren möglich wäre. So ist hier z. B. die Frage zu klären, ob und wie viel landwirtschaftliche Fläche zum Anbau von Energiepflanzen vorhanden ist (dabei kommt dann dem Ortsbauern eine wichtige Rolle zu) etc.
Sind alle relevanten Informationen verfügbar, wird das Baukastenprogramm erstellt. Idealerweise findet sich darin neben variablen Bausteinen ein Leitprojekt als Konstante. Für Munderfing könnte dies der geplante nahe Windpark Silventus sein: Er würde den Strombedarf der Gemeinde zu 100 Prozent abdecken. Je nach Rahmenbedingungen fällt die Zusammensetzung des Energiebaukastens natürlich von Gemeinde zu Gemeinde verschieden aus.
Anna Miglbauer


Exkursion zum Thema

Die GBW veranstaltet am 4. November eine Exkursion zum Verein Energiewerkstatt in Heiligenstatt sowie zur Energiewerkstatt GmbH in Munderfing. Treffpunkt: 16 Uhr in Heiligenstatt, Gemeinde Lengau. Näheres Informationen und Anmeldungen bis 25. Oktober unter  HYPERLINK "http://www.ooe.gbw.at" www.ooe.gbw.at oder 07674/64218.

Aus oö.planet Nr. 39/05